Erstwahlhelfer Logo www

"Hamburger leistete Wahlhilfe für Pinneberg"

Wahlhelfer im Hamburger Abendblatt April 2017Von Katy Krause / Foto Klaus Bodig, HA

Politische Bildungseinrichtung in Rissen schult 75 Jugendliche, die die Landtagswahl am 7. Mai erstmals im Wahllokal unterstützen.

Rissen/Pinneberg. "Politik ist meine Leidenschaft", sagt Mette Gutjahr. Es ist ein Satz, den wohl die wenigsten von einer 16-Jährigen erwarten würden. Während andere sich während ihrer Freizeit mit Shoppen und Abhängen beschäftigen, engagiert sich die Jugendliche.

Sie ist bei den Wedeler Grünen aktiv, hat mit Freunden kürzlich eine Jugendgruppe initiiert, will Aktionen für den Umwelt- und den Tierschutz organisieren. "Ich will etwas in der Kommune bewegen", sagt sie. Nun hat sie sich in Hamburg-Rissen als Erst-Wahl-Helferin schulen lassen.

Jugendliche sind bereits Wahllokalen zugeordnet

Erst-Wahl-Helfer: Das Wort klingt etwas sperrig, doch die vielen Bindestriche haben hier durchaus ihre Berechtigung. Denn es geht gleichermaßen um Hilfe bei der ersten Wahl und den ersten Einsatz als Wahlhelferin in einem der kreisweit 207 Wahllokale.

Mettes Leidenschaft begann früh. "Bei uns zu Hause liegt immer eine Zeitung. Irgendwann habe ich begonnen, sie zu lesen. Ich mochte den Politikteil", sagt die Schülerin. Aus der Zeitung erfuhr sie auch vom Workshop. Sie war sofort Feuer und Flamme.

Projektleiter Christian Egbering„Die Gemeindewahlleiterin der Stadt Pinneberg hat sich sehr über die zusätzlichen Helfer gefreut“, sagt Schulungsleiter Christian Egbering vom Haus Rissen
Foto: Klaus Bodig / Klaus Bodig / HA

So ganz anders liegt der Fall bei Madira Heinrich. Auch sie gehört zu der ersten Gruppe, die an dem Seminar im Haus Rissen teilgenommen hat. Die 17-Jährige weiß so gar nicht, wen sie wählen soll. Politik interessiert sie nur mäßig.

Die Schilderungen von Mette Gutjahr machen ihr beinahe Angst. Die Rellingerin hatte sich angemeldet, weil an ihrer Schule in Pinneberg dafür viel Werbung gemacht wurde und weil es am Ende ein Zertifikat für die Ausbildung gibt. "Das sieht immer gut aus", sagt sie fast entschuldigend. So unterschiedlich die beiden Schülerinnen und ihre Beweggründe sein mögen – beide haben gemeinsam, dass sie an zwei schulfreien Tagen freiwillig büffeln.

Auf dem Unterrichtsplan des Seminars stehen demokratische Prinzipien, die aktuellen Wahlprogramme der Parteien, politische Zusammenhänge und natürlich, wie der Wahltag abläuft und wie sie in einem Wahllokal helfen. Denn genau das werden Mette Gutjahr und Madira Heinrich am 7. Mai auch machen. Sie sind bereits Wahllokalen zugeordnet, genauso wie die anderen Teilnehmer.

75 Jugendliche werden im Anschluss an die Ausbildung im Haus Rissen, ein Institut für internationale Politik und Wirtschaft, als Helfer in 45 unterschiedlichen Wahllokalen mitarbeiten. "Die Gemeindewahlleiterin der Stadt Pinneberg hat sich sehr über diese Idee und die zusätzlichen Helfer gefreut", berichtet Christian Egbering, Referent für politische Jugendbildung am Haus Rissen. In Zusammenarbeit mit fast allen Städten und Gemeinden im Kreis Pinneberg wurde der Workshop ins Leben gerufen. Die Idee dahinter ist, das Interesse der Jugendlichen zu wecken und sie nachhaltig für politische Prozesse zu begeistern.

Am Ende stellen alle Wahlkabinen auf

Gut, bei Mette Gutjahr ist das nicht mehr vonnöten. Sie hat trotzdem eine Menge aus den ersten Stunden mitgenommen. Am meisten habe sie fasziniert, etwas über die Wahlpraxis anderer Länder im Vergleich zu Deutschland zu lernen, sagt sie. Das gefiel auch Madira Heinrich am besten. Wer hätte gedacht, dass in Belgien Wahlpflicht herrscht, und wer es versäumt, sein Kreuz zu setzen, Strafe zahlen muss? "Da schätzt man unser System umso mehr", sagt Mette Gutjahr, und Madira Heinrich fügt hinzu: "Es ist cool, mitzuhelfen, diese Wahl zu ermöglichen."

Damit das am 7. Mai auch wirklich reibungslos klappt, lernen die Workshop-Teilnehmer den genauen Wahlablauf und ihre Aufgaben. Wie bauen sie das Wahllokal auf? Müssen sie neu­trale Kleidung tragen, oder ist beispielsweise ein grünes T-Shirt okay? (Grundsätzlich ja, im Zweifelsfall entscheidet der Wahlvorstand darüber.) Droht ihnen eine Strafe, falls etwas schiefgeht? (Nein.) Was ist eine Bannmeile, und wie stellen sie sicher, dass auch wirklich keine Wahlwerbung in der Nähe des Wahllokals zu finden ist?

Die Jugendlichen haben viele Fragen und gewinnen mit jeder Antwort Sicherheit. "Sie sind die Herren im Wahllokal. Sie entscheiden gemeinsam mit dem Wahlvorstand und dem Vorsitzenden in eigenem Ermessen, ob ein Plakat in der Bannmeile steht und weg muss", gibt Egbering die Richtung vor.

Am Ende dieses ersten Workshops mit 20 Teilnehmern stellen die Jugendlichen noch einmal eine Wahl im Detail nach. Sie richten ein Wahllokal ein, stellen die Urne und die Kabinen auf. Sie testen, ob der Stift schreibt und die Schrift auch nicht wegzuradieren ist. Sie müssen sich versichern, dass der Zugang zum Wahllokal auch wirklich barrierefrei ist, und sie müssen aufpassen, dass jeder die Möglichkeit hat, geheim zu wählen.

Am 7. Mai wird es dann ernst. Das Team des Haus Rissen wird die jungen Erst-Wahl-Helfer nicht im Stich lassen. Die Mitarbeiter sind am Wahltag auch im Dienst und stehen ihren Schützlingen mit Rat und Tat zur Seite.

Hamburger Abendblatt, Regionalausgabe Pinneberg, 12.04.2017